Reiseberichte von Stomaträgern

Frau mit Sonnenbrille am Strand lacht in die Kamera

Sabine B., 52 Jahre aus NÖ

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Morbus Crohn seit 1990 und Ileostoma seit 2001

Hobby.....Reisen

Seitdem ich denken kann hab ich eine Sehnsucht in mir die mich in ferne Länder zieht.

Auch die jahrelange Krankheit und schlussendlich die Ileostoma OP haben mich nie daran gehindert. Man muss nur ordentlich planen und mutig sein

Die letzte große Reise hat mich nach HAWAII geführt ( seit Jahren mein erklärtes Traumziel)

Die Planung einer Reise- / Fernreise puncto Stomaversorgung ist essentiell:

Ich habe immer einen großen Rucksack als Handgepäck dabei indem sich meine komplette  Stomaversorgung und meine Medikamente befinden. Wichtig ist das man immer 50% mehr an Platten und Beutel mitnimmt als sonst, da es in vielen Ländern keine bzw. schwer die Möglichkeit gibt Ersatz zu bekommen. So muss man sich vor Ort nicht mit eventuellen Versorgungsengpässen herumschlagen und kann entspannter Urlaub machen.

Hilfsmittelpass sollte man zwar sicherheitshalber immer mit haben  nur habe ich die Erfahrung gemacht das es immer Nachfragen gibt und der Pass alleine nicht genügt um das Stoma zu erklären.

Falls es beim Sicherheitscheck am Flughafen piepst, wird man abgetastet und ich wurde bisher fast in jedem Land  deswegen genauer untersucht.

Da braucht man aber keine Scheu oder Bedenken haben, das müssen sie machen weil erzählt bekommt das Sicherheitspersonal sicher jede Menge und speziell beim Ganzkörperscan in Amerika sieht man es sowieso und wird dann in ein Extrazimmer gebeten.

Also bitte dies auch immer im Zeitmanagement am Flughafen berücksichtigen !

Das man die Stoma-Versorgung im Urlaubsland bekommen kann falls es nötig wäre ist ein Punkt auf den ich mich nicht verlassen möchte und auch nicht tue. Speziell in ferneren / exotischen Ländern ist diese Versorgung auch oft nicht bekannt und sehr schwer zu bekommen, also immer reichlich einpacken und immer im Handgepäck.

So jetzt steht dem Urlaub nichts mehr im weg und ab ging es mit dem Flugzeug von Wien nach Los Angeles und dann nach Honolulu (Oahu).

Die ersten Tage verbrachten wir am traumhaften Waikiki Beach . Der Pazifik war traumhaft warm und schwimmen stand an der Tagesordnung. Wichtig bei Meerwasser, immer nur max. 10 Minuten und dann Pause zum trocknen ( damit sich die Platte nicht ablöst)...und dann wieder ab ins Wasser :)

Natürlich wenn man jeden Tag schwimmen geht sollte man die Basisplatte alle 2 Tage wechseln und daher auch immer mehr mitnehmen !

Die Insel Oahu selber haben wir mit einer deutschsprachigen Reiseführung erkundet ( auch bei Tagesausflügen immer eine Ersatzversorgung in der Strandtasche mitnehmen nicht vergessen).

Natürlich besteht Hawaii nicht nur aus Oahu. Weiter ging es mit dem Flieger auf Big Island die Vulkaninsel, Kauai wo Jurassic Park gedreht wurde und natürlich auch Maui die romantische Insel

Auf Maui hatte ich leider auch das Vergnügen das amerikanische Gesundheitssystem näher kennen zu lernen. Im Maui General Hospital brauchte ich wegen der Hitze und der Aufregungen eine Infusion, da ich leider auch  zu viel Flüssigkeit übers Stoma verloren hatte.

Jeder mit einem Ileostoma kennt dieses Dilemma und ich kann nur raten wirklich viel zu trinken und keine Sorge wegen Toiletten, gerade in der Karibik, Canada und Amerika ist die Toilettenfrage kein Thema, alles reichlich und auch ordentlich vorhanden.

Asiatische Länder meide ich wegen der zu großen Hitze/Luftfeuchtigkeit da kann ich leider nichts dazu sagen.

Getrunken hatte ich auch zu wenig und daher war die Infusion notwendig.

(auf Hawaii werden Infusionen nur im Spital verabreicht nicht durch niedergelassene Ärzte wie bei uns)...zur Info falls jemand von euch mal nach Hawaii kommt ;)

Daraus gelernt für weitere Urlaube habe ich, das ich mir selber Infusionen in den Oberschenkel geben kann ( zeigt euch gerne jeder Hausarzt) und in den nächsten Urlaub im Herbst nach Canada kommen einige Flaschen Ringerlösungen in den Koffer und ich bin bestens vorbereitet auf alle Abenteuer die noch auf mich warten.

Die 3 Wochen auf  Hawaii waren rasend schnell vorbei, ein absoluter Traumurlaub den ich auf keinen Fall missen möchte.

Natürlich können kleine Hoppalas auch im Urlaub passieren, aber nichts ist so schlimm das man  sich davon unterkriegen lässt.

Ich hoffe ich konnte einige von Euch ermutigen das alles möglich ist im Leben ...auch als Stomaträger....und ich finde ganz besonders dann.. weil wir es mehr genießen können.

Aloha und Mahalo (Danke)

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Frau im Garten die in die Kamera lacht

Ulrike P., 52 Jahre aus NÖ

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1993 wurde bei mir Morbus Crohn diagnostiziert.  Nach etlichen Operationen, Schüben und Schmerzen entschied ich mich 2011 für ein Stoma. Das war die beste Entscheidung meines Lebens,  da ich sehr gerne verreise. Viele Male war ich in Amerika,  weil ein Teil meiner Familie dort lebt.

Vor meiner Stomaanlage war das Reisen mühsam, vor allem die Nahrungsaufnahme bereitete mir enorme Schwierigkeiten. - Oft ernährte ich mich wochenlang nur von Toastbrot und Schinken.  Für meine Familie war das schrecklich, und jeder hatte  ein schlechtes Gewissen. Alle waren der Meinung, ich würde verhungern.

Viele Male war ich in Amerika,  da ein Teil meiner Familie dort lebt. Freunde besitzen ein Boot und dachten, es würde mir eine Freude bereiten, stundenlang auf dem Ozean herum zu fahren. Für mich war das  immer ein Spießrutenlauf. Allein schon der Gedanke, dass da kein WC in der Nähe war, war schon der blanke Horror für mich.  

Jetzt ist alles, im Gegensatz zu früher, viel entspannter. Ich kann alles essen, ohne nachdenken zu müssen, und auch ein Besuch in einem Fastfood Restaurant ist kein Feindbild mehr.

Heuer war ich schon zweimal in Italien. und es war toll...am Strand liegen und im Meer schwimmen, gutes Essen...selbst die Hitze konnte der Erholung und dem Stoma nichts anhaben. 

Da ich sehr gerne schwimmen gehe, hab ich mir Bikinis mit Boxershorts gekauft, um meine Versorgung zu etwas verstecken. Vorzugsweise ziehe  ich bunte Bikinis an, denn da sieht man  die Versorgung nicht auf den ersten Blick.

Da ich bei der Hitze viel trinke, kaufe ich mir immer Mineralwasser und vermeide es, Leitungswasser zu trinken, besonders in südlichen Ländern.  - Selbst das Obst wasche ich mit Mineralwasser. 

Im Urlaub plane ich für jeden Tag zwei Versorgungen ein.

Meine Beutel entsorge ich in den selbst mitgebrachten Müllsäcken. Wenn ich im Urlaubsland unterwegs bin, selbst am Strand, packe ich immer eine Versorgung und einen Müllsack in meine Strandtasche.

Vor dem Flughafenpersonal braucht man auch keine Angst zu haben.

In den letzten Jahren hatte ich einige Male das berüchtigte SSSS auf meiner Boardingkarte vermerkt, was eine besonders ausführliche Sicherheitskontrolle einschließlich einer sorgfältigen Durchsuchung des Handgepäcks beinhaltet.  In solchen Situationen erwähne ich  immer gleich, dass ich ein Stoma habe. Betretene Gesichter sind da keine Seltenheit, aber nach einer Erklärung meinerseits sind dann immer alle sehr verständnisvoll. 

Und sollte etwas schief gehen, gibt es in Amerika, Italien und vielen Urlaubsländern Niederlassungen von Coloplast. Diese suche ich  vor einer Reise im Internet und notiere mir für den Notfall alle Kontaktdaten.  

Bevor ich auf Reisen gehe, schließe ich immer eine Reiseversicherung ab. Einige Versicherungen winken gleich ab, wenn man sagt, man hätte ein Stoma, daher sollte man sich zeitgerecht gut informieren. 

Mein Hausarzt schreibt mir eine Bestätigung für mein Stoma. Diese und den Stomapass habe ich immer bei meinen Reisepapieren. Zur Sicherheit fotografiere ich alle Unterlagen mit meinem Handy.

Auf einer meiner Italienreisen stellte sich mir die große Frage „wohin mit dem Safeschlüssel“? Nach langem Überlegen kam ich auf die glorreiche Idee, den Safeschlüssel in einem Stomabeutel  zu verstecken. Seither mache ich  das auf jeder Reise.- Wie man sieht, ist die Versorgung individuell verwendbar :)

Fazit für mich: ich kann meine Urlaubsreisen genießen und Spass haben.

Es soll jetzt nicht der Eindruck entstehen, ich wäre mit meinem Stoma immer glücklich gewesen. ..NEIN ! Etwas anderes wäre gelogen...ich musste mich auch erst mit dem Gedanken vertraut machen,  dass da „etwas auf meinem Bauch klebt“.

Was für mich persönlich ganz wichtig war und ist, ist das persönliche Umfeld.  Meine Familie und meine Freunde kommen gut mit meinem Stoma klar. Die Kinder sind damit aufgewachsen, und für sie ist es ganz normal,  dass da ein Beutel auf meinem Bauch klebt. Immer wenn sie gefragt haben,  hab ich ihnen alles erklärt. Sie waren es auch, die meinem Stoma einen Namen gegeben haben: Seppi.

Mir hat das positive Denken meines Umfeldes sehr geholfen, mit der Situation fertig zu werden. 

Es gibt auch heute noch Tage an denen ich meine Krankheit und das Stoma verfluche und mich frage warum ich? Doch dann denke ich an früher und muss mir eingestehen,  dass das Stoma die beste Entscheidung war und einiges im Leben viel leichter wurde.

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