Welche Stomaarten gibt es?

Ein Stoma ist eine künstlich Öffnung oder Darmöffnung, welche sich an der Bauchoberfläche findet. Eine Stomaanlage oder auch künstlicher Darmausgang wird aufgrund von verschiedenen Grunderkrankungen angelegt. In vielen Fällen ist eine Erkrankung des Darms (Dickdarm oder Dünndarm) oder der Harnblase der Grund für eine Stomaanlage.

Mehr zum Thema „Was ist ein Stoma“ finden sie hier.

Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Stoma-Arten:

Kolostoma

Kolostoma

Eine Kolostomie (künstlicher Dickdarmausgang) wird angelegt, wenn der Dickdarm ausgeleitet wird, dieser aus der Bauchdecke gezogen und an der Hautoberfläche angenäht wird. Ein Kolostoma lassen sich meistens gut versorgen, da die Stuhlkonsistenz normal ist.

Bei einer Kolostomie-Anlage handelt es sich um eine operative Ausleitung des Dickdarms, dessen Ursache die Entfernung eines Teils des Dickdarms ist. Die Ausleitung kann prinzipiell an jeder Stelle des Dickdarms erfolgen, häufig wird sie allerdings im unteren Abschnitt (S-förmiger Dickdarm [Sigma]) angelegt. Da meist der größte Teil des Dickdarms noch erhalten bleibt, ist seine Funktion, die Eindickung des Stuhls, aufrecht. Daher wird der Stuhl aus dem Kolostoma in den meisten Fällen kaum oder nur geringfügig anders sein als vor der Operation. Die Ausscheidungen bleiben dickbreiig bis normal geformt. Da das Stoma selbst keine Muskulatur hat um die Stuhlentleerung zu regulieren, sowie es der Schließmuskel im Normalfall übernimmt, ist es bei Stomaträger notwendig einen Stomabeutel zu verwenden, welcher den Stuhl auffängt.

Es gibt zwei unterschiedliche Arten der Kolostomie: das endständige Kolostoma und das doppelläufige Kolostoma.

Endständiges Kolostoma

Ein endständiges Kolostoma kann vorübergehend oder auch dauerhaft angelegt werden.

Wenn Teile des Dickdarmes (Kolon) entfernt werden aber das Rektum erhalten bleibt, ist das Stoma meist temporär angelegt, also für eine bestimmte Zeit. Hierbei wird der erkrankte Teil des Dickdarms entfernt und das gesunde Ende ausgeleitet bzw. an der Bauchdecke angenäht, wo ein Stoma angelegt wird. Nach einiger Zeit kann es sein, dass das Stoma wieder rückoperiert wird indem die beiden Enden wieder zusammengefügt werden, der Darm in die Bauchdecke gelassen wird und der Stomaträger wieder über den Anus ausscheidet.

Wenn ein erkrankter Darmabschnitt inklusive dem Rektum ist die Stomaanlage dauerhaft. Eine permanente Stomaanlage kann auch der Fall sein, wenn ein Zusammenfügen der beiden Darmenden zu gefährlich ist oder es aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich ist. 

Doppelläufiges Kolostoma

Die doppelläufige Kolostomie wird auch Schlingenkolostomie genannt, weil eine Schlinge vom quer verlaufenden Dickdarm vor die Bauchhaut gezogen und geöffnet wird. So entsteht ein zum Stoma hinführender und ein vom Stoma wegführender Darmteil mit zwei Öffnungen. Manchmal sind die beiden Öffnungen durch eine Hautbrücke voneinander getrennt, damit Sie sich einfacher versorgen lassen. Diese Form des Stomas wird immer dann verwendet, wenn ein Teil des Darms geschont werden muss. Der vom Stoma wegführende Darmabschnitt wird entlastet, da der größere Teil der Ausscheidungen nicht durch diesen Abschnitt verläuft.

Stomaträger mit einem doppelläufigen Kolostoma spüren auch weiterhin ein Druckgefühl und kann auf der Toilette je nach Grunderkrankung sogar kleine Stuhlmengen über den After ausscheiden. Dieser Stuhl kann auch dünnflüssig und mit Schleim vermischt sein – das ist ganz normal. Da bei der doppelläufigen Kolostomie weniger Dickdarm zur Verfügung steht, um den Nahrungsresten Wasser zu entziehen, sind die Ausscheidungen eher von breiiger Konsistenz. Das doppelläufige Kolostoma kann nach sechs Wochen bis drei Monaten wieder gut zurückverlegt werden, in dem die beiden Darmteile einfach wieder zusammengenäht werden und in den Bauchraum gelegt werden. Eine normale Entleerung über den After wird im Anschluss wieder möglich sein.

Ileostoma

Ileostoma

Ein Ileostoma (künstlicher Dünndarmausgang) bedeutet, dass ein Teil des Dünndarms aus dem Bauchraum geleitet wird, d.h. der Dünndarm wird ausgeleitet. Dies kann vielerlei Gründe haben. Ein Ileostoma wird auch dann angelegt, wenn der gesamte Dickdarm erkrankt ist und entfernt werden muss oder der Schließmuskel erkrankt ist. Das Ileostoma wird normalerweise an der rechten Bauchseite angelegt. Die Hauptfunktion des Dickdarms ist es, den Stuhl einzudicken und diesem Flüssigkeit zu entziehen. Nachdem nun nur noch der Dünndarm aktiv ist und dieser den Stuhl nicht eindicken kann, ist die Ausscheidung des Ileostomas breiig bis dünnflüssig. Zudem ist die Ausscheidung auch aggressiv. Deshalb ist es bei dieser Stomaart äußerst wichtig, dass die Stomaversorgung gut hält, und rund um das Stoma dicht ist, sodass keine Ausscheidung auf die Haut kommt.

Bei einem Ileostoma ist es notwendig mit einer Diätologin/Ernährungsberaterin, Ihrem Arzt oder der StomaberaterIn zu sprechen, da der Dickdarm seine Funktion nicht erfüllen kann, weil der Stuhl nicht durch diesen hindurch transportiert wird.

Es gibt zwei verschiedene Arten eines Ileostomas:

 

Endständiges Ileostoma

Bei einem endständigen Ileostoma wird der Darm schlotförmig über Hautniveau eingenäht, um die Stomaversorgung zu vereinfachen und Hautprobleme, die durch den Kontakt der aggressiven Ileostoma-Ausscheidung mit der Haut entstehen können, vorzubeugen.

Hauptsächlich wird ein endständiges Ileostoma angelegt, wenn ein Teil des Dickdarms entfernt werden muss oder der Dickdarm entlastet werden soll. Diese Stomaart kann dauerhaft oder vorübergehend angelegt werden.

Häufig wird ein endständiges Ileostoma bei Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (z.B. Colitis Ulcerosa, Morbus Chron, etc.) oder einer familiären Polyposis, die eine komplette Entfernung des Dickdarms mit sich bringen können, angelegt

 

Doppelläufiges Ileostoma

Beim doppelläufigen Ileostoma wird die Dünndarmschlinge aus dem Bauch gezogen. Diese Schlinge wird eingeschnitten, sodass eine Öffnung entsteht. Die Stuhl ausscheidende Darmöffnung wird an der Haut vernäht. Dieses Stoma wird über Hautniveau angelegt um die Stomaversorgung zu vereinfachen. Der abführende Schenkel wird auf Hautniveau angenäht.

Dies bedeutet, dass ein doppelläufiges Stoma aus 2 Stomata besteht, welche nahe aneinander liegen.

Ein doppelläufiges Ileostoma wird im Normalfall nur vorübergehend angelegt. Hierbei wird oft der erkrankte Darmabschnitt entfernt und die beiden gesunden Enden wieder zusammengenäht. Damit dieser neu zusammengefügte Abschnitt heilen kann, muss dieser entlastet werden (Anastomosenschutz). Deshalb wird das Stoma angelegt. In den meisten Fällen wird das Stoma nach wenigen Wochen/Monaten wieder rückverlegt.

Urostoma

Urostoma

Die künstlichen Harnableitungen werden Urostomien genannt. Je nach Grunderkrankung gibt es verschiedene Arten von Urostomien.

 

Eine künstliche Harnableitung wird erforderlich:

  • bei bösartigen Erkrankungen der Blase
  • bei nicht beherrschbarer Überaktivität der Blase
  • infolge von Verletzungen

Die Anlage eines Urostomas geht - wenn es sich nicht um eine Ersatzblase (Mainz-Pouch) handelt – immer mit dem Verlust der kontrollierten Harnausscheidung einher. Es wird ständig Urin ausgeschieden, da in der Regel die Harnblase als Reservoir fehlt oder nicht mehr funktionsfähig ist. Um diesen Urin aufzufangen, werden Stomabeutel als Versorgung gewählt. Welche Art der künstlichen Harnableitung im Einzelfall vorgenommen wird, richtet sich nach dem zugrundeliegenden Krankheitsbild. Da es mehrere Möglichkeiten der künstlichen Harnableitung gibt, werden hier nur die häufigsten genannt

Ileum-Conduit (Brickerblase)

Bei diesen Formen der Urostomie wird ein Stück des Dünndarms (Ileum) bzw. Dickdarms (Kolon) aus dem normalen Darmverlauf herausgenommen und durch die Bauchdecke nach außen geleitet. Die Harnleiter werden in dieses Conduit eingenäht. Während der ersten Zeit nach der Operation sorgen Harnleiterschienen (Splints) dafür, dass die Harnleiter sich nicht verengen und eine gleichmäßige Harnausscheidung gewährleistet ist. Zudem verhindern sie den Kontakt mit austretendem Urin und ermöglichen so eine ungestörte Wundheilung. Die Splints werden in der Regel noch während des Krankenhausaufenthaltes entfernt.

Die Harnleiterhautfistel (Ureterocutaneostomie)

Bei der Ureterocutaneostomie wird der Harnleiter durch die Bauchdecke nach außen geleitet. Dies kann - je nach Krankheitsbild - sowohl für eine Niere als auch für beide Nieren unabhängig voneinander geschehen. Wenn es die Krankheit ermöglicht, kann anstelle einer beidseitigen Harnleiterhautfistel ein Harnleiter mit dem anderen verbunden werden, so dass nur eine Ausleitung durch die Bauchdecke nötig wird. Diese Art der Harnleiterhautfistel wird Transureteroureterocutaneostomie (TUUC) genannt.

Die Ersatzblase (Mainz-Pouch)

Im Gegensatz zu den bisher beschriebenen Arten der Urostomie bestimmen die Betroffenen hier selbst den Zeitpunkt der Harnentleerung. Das heißt, der/die Träger/in eines Pouches bleibt kontinent. Bei dieser speziellen Art der Urostomie wird aus Teilen des Dick- oder Dünndarms eine Ersatzblase gebildet. Diese wird über ein Dünndarmstück oder den Blinddarm mit dem Nabel verbunden und kann so mit Hilfe eines Katheters intermittierend entleert werden. 

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