Formen der Harninkontinenz

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Harninkontinenz wird definiert als „ein Zustand bei dem der unfreiwillige Urinverlust ein soziales oder hygienisches Problem bedeutet und objektiv dargestellt werden kann.“ ICS (International Continence Society)

Blasenprobleme treten in der Regel in Form von Harninkontinenz (Harnverlust, Blasenschwäche) und Harnverhalt (Unvermögen, die Blase vollständig zu entleeren) auf.

Die häufigsten Formen von Harninkontinenz sind die sogenannte Belastungsinkontinenz, die Dranginkontinenz und die Mischinkontinenz - welche eine Kombination aus Belastungsinkontinenz und Dranginkontinenz ist.

Auch Inkontinenz im Alter ist in der Regel einer dieser Formen zuordenbar.

  • Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz) tritt auf, wenn der Schließmuskelapparat unter plötzlich auftretendem starkem Druck (Stress) die Harnröhre nicht vollständig verschließen kann. Dies hat einen unfreiwilligen Harnverlust in Zusammenhang mit alltäglichen Abläufen wie Niesen, Husten, Lachen oder körperlichen Anstrengungen zur Folge.

  • Dranginkontinenz (instabile oder überaktive Blase, Reizblase) wird durch unfreiwillige, unkontrollierte Kontraktionen der Blasenmuskulatur hervorgerufen. Die Folge ist ein plötzlich auftretender Harndrang verbunden mit einem unfreiwilligen Harnverlust vor Erreichen des WCs.

Harnverhalt kann durch einen Verschluss des Harntrakts, eine Blasenmuskelschwäche oder einer neurogenen Störung, die den Signalfluss zwischen Gehirn und Blase beeinträchtigt, verursacht werden.

  • Chronische Harnretention (Überlaufinkontinenz) ist Urinverlust durch fehlenden Harndrang (häufiger tropfenweiser Harnverlust). Bei einer Überlaufinkontinenz wird die Blase nie vollständig entleert. Beim Urinieren läuft der Urin meist nur in Form eines schwachen Strahls ab.

  • Neurogene Blasenfunktionsstörung (neurogene Blase) ist Urinverlust durch die fehlende Kontrolle durch eine gestörte Funktion des Nervensystems. 

Unterschiedliche Arten von neurogenen Blasen

Eine neurogene Blase tritt entweder in Form einer unzureichenden Blasenentleerung auf, was zu Infektionen oder anderen ernsthaften Problemen führen kann, oder sie äußert sich in Form einer überaktiven Blase. Eine überaktive Blase wird typischerweise durch Verkrampfungen der Blasenmuskulatur verursacht und weist hauptsächlich Symptome der Dranginkontinenz auf.

  • Verstärkte Spastik von Blase und Schließmuskel
    Die sogenannte spinale Reflexblase zieht sich aufgrund der Spastik nicht kontrollierbar zusammen. Zusätzlich verhindert die Spastik des Schließmuskels den Harnabfluss, Es kommt zu einem überhöhten Druck in der Blase. Die Folge ist eine unfreiwillige, spontane Blasenentleerung (Reflexinkontinenz).

  • Verstärkte Spastik von Blase und Schließmuskelerschlaffung
    Eine verstärkte Spastik der Blase führt in Verbindung mit einem erschlafften Schließmuskel zu einem Missverhältnis zwischen Blaseninnendruck und Schließmuskelverschlussdruck. Der erschlaffte Schließmuskel kann schon bei einem geringen Blasenvolumen den Harn nicht mehr sicher zurückhalten (Reflexinkontinenz).

  • Reflexlose Blase und verstärkte Spastik des Schließmuskels
    Die reflexlose Blase kann sich zum Entleeren nicht mehr zusammenziehen. Die Spastik des Schließmuskels trägt zusätzlich dazu bei, dass die Blase sich nicht entleeren kann. Kommt es durch eine überfüllte Blase zu einem überhöhten Innendruck, führt das zu unkontrolliertem Harnverlust (Überlaufinkontinenz).

  • Reflexlosigkeit von Blase und Schließmuskel
    Blase und Schließmuskel sind nicht mehr tätig, sodass eine kontrollierte Blasenentleerung nicht möglich ist. Die schlaffe Blase kann sich zum Entleeren nicht mehr zusammenziehen. Durch die Reflexlosigkeit des Schließmuskels kommt es schon bei einem sehr niedrigen Blasenvolumen zu unkontrolliertem Harnabgang.
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