Harnwegsinfektionen und andere Komplikationen

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Zu den häufigsten Komplikationen bei neurogenen Blasenfunktionsstörungen gehören Harnwegsinfektionen. Aber auch Reflux, Haematurie, Nierenkolik, oder Harnröhrenstriktur sind mögliche Komplikationen die auftreten können.

Wenden Sie sich bei Beschwerden sofort an Ihren Arzt, um geeignete Maßnahmen zu besprechen und einzuleiten.

Harnwegsinfektionen

Bakterien im Harntrakt sind keine Seltenheit und führen nicht grundsätzlich zu einer Harnwegsinfektion. Wenn sich jedoch die Bakterien vermehren und eine bestimmte Anzahl übersteigen, können sie eine behandlungsbedürftige Infektion der Harnwege auslösen.

Wenn die Blase nicht vollständig entleert werden kann, bleibt Restharn regelmäßig in der Blase zurück und kann zu weiteren Komplikationen, wie zum Beispiel Harnwegsinfektionen führen. Bei Symptomen von Harnverhalt sollten Sie sich unbedingt medizinischen Rat einholen.

Die Symptome einer Harnwegsinfektion variieren und können unterschwellig auftreten. Dazu gehören:

  • Dunkler und stark riechender Urin
  • Blut im Urin
  • Trüber Urin
  • Fieber/Schwitzen
  • Blasenkrampfen
  • Brennen beim Urinieren

Wenn bei Ihnen eines der oben genannten Symptome auftritt, sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder mit einer Pflegefachkraft.

Wenn Sie häufig Harnwegsinfektionen bekommen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt über mögliche Behandlungsmethoden - Diese können zum Beispiel das Katheterisieren mit einem Einmalkatheter oder Medikamente sein.

Manchmal kann es dazu kommen, dass Harnwegsinfektionen durch das Katheterisieren entstehen. Trotz vorbeugender Hygienemaßnahmen kann es auch beim intermittierenden Selbstkatheterismus gelegentlich zu Komplikationen kommen. Mit diesen Maßnahmen verringern Sie das Risiko von Harnwegsinfektionen:

Achten Sie darauf, nur mit sauberen Händen und sterilen Materialien zu katheterisieren

Harnwegsinfektionen können entstehen, wenn Bakterien - vielleicht durch nicht ausreichendes Händewaschen, oder wenn sich die Bakterien in der Nähe des Harnröhreneingangs befinden - durch das Katheterisieren in den Harntrakt eingebracht werden.

Deshalb ist es so wichtig die Hände mit Seife und Wasser zu waschen und danach zu desinfizieren, bevor der Bereich um den Harnröhreneingang gesäubert und desinfiziert wird. Erst dann wird der Katheter eingeführt.

Passen Sie außerdem auf wie Sie sich selbst nach dem Harnlassen oder einer Darmentleerung waschen. Wischen Sie immer von vorne nach hinten, damit Bakterien aus der Analregion nicht in die Harnröhre, bzw. den Harnröhreneingang gelangen. Es ist eine gute Idee optimale Routinen zur Blasen- und Darmentleerung mit Ihrer behandelnden medizinischen Fachkraft zu besprechen.

Verwenden Sie jedes Mal einen sterilen Katheter

Um Harnwegsinfektionen vorzubeugen, sollten Sie bei jeder Katheterisierung einen neuen, sterilen und gleitfähig beschichteten Katheter verwenden.

Ein bereits hydrophil beschichteter Katheter verursacht weniger Reibung, wenn Sie ihn einführen und wieder entfernen. Es macht das Katheterisieren angenehmer und praktischer. Studien, Daten und Ergebnisse bringen beschichtete Katheter im Vergleich zu anderen Kathetern außerdem mit niedrigeren Infektionsraten 1,2 und weniger Harnröhrenverletzungen 1,3,4 in Verbindung.

1 Cardenas et al. 2011, 2 De Ridder et al. 2005, 3 Stensballe et al.2005, 4 Sutherland et al. 1996.

Nehmen Sie tagsüber ausreichend Flüssigkeit zu sich, damit die Harnwege gut durchgespült werden - mindestens 1,5 Liter täglich

Jeder Mensch benötigt täglich Flüssigkeit um gesund zu bleiben. Die empfohlene tägliche Menge für fast jeden Menschen liegt bei 1-2 Liter pro Tag. Wenn Sie unsicher sind, welche die für Sie beste Menge aufgrund Ihrer medizinischen Belange ist, sprechen Sie am besten mit Ihrer medizinischen Fachkraft.

Wasser ist die beste Wahl. Getränke, die Koffein (Cola, Kaffee, Tee und Energy Drinks) und künstliche Süßstoffe enthalten sind bekannt dafür die Blase zu reizen, sodass nur sehr wenig von ihnen konsumiert werden sollte.

Stellen Sie bei jeder Katheterisierung sicher, dass die Blase regelmäßig und vollständig geleert wird

Jedes Mal, wenn Sie Katheterisieren, wird nicht nur Urin aus der Blase gespült, sondern auch Bakterien, die sich dort aufhalten können. Deshalb ist es so wichtig einen regelmäßigen Fluss durch die Blase aufrechtzuerhalten, um sie den Tag über mit frischem Urin zu "spülen".

Hin und wieder sollten Sie messen, wie viel Urin Sie pro Blasenentleerung ausscheiden. Ihr Ziel sollte sein zwischen 300 und 500 ml auszuscheiden, weil dies ein Überfüllen der Blase verhindert und Inkontinenz vorbeugt. Wenn Sie mehr als 500 ml, oder weniger als 150ml ausscheiden, sollten Sie Ihre medizinische Fachkraft konsultieren.

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die Häufigkeit und Technik der Katheterisierung

Das Beibehalten eines Katheterisierungsplans kann dabei helfen Harnwegsinfekte vorzubeugen. Sie sollten Ihre Blase vollständig entleeren und zwar so oft wie Ihre behandelnde medizinische Fachkraft es Ihnen empfiehlt - was üblicherweise 4 -6 Mal pro Tag ist.

Es ist wichtig, dass Sie Ihren Katheterisierungsplan auch einhalten, wenn Sie unterwegs sind. Es kann schwieriger sein sich an die normale Routine zu halten, wenn Sie in ungewohntem Umfeld sind. Sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten kann dabei helfen, solche Schwierigkeiten zu überwinden.

Gute Verdauung – eine gründliche Darmtätigkeit kann das Risiko von Harnwegsinfektionen verringern

Es ist auch wichtig sich in Erinnerung zu rufen, dass auch eine allgemeine gute Gesundheit wichtig ist. Indem Sie genügend schlafen, gesund essen und sich regelmäßig bewegen, stärken Sie Ihr Immunsystem und verringern Ihre Chancen Infekte zu bekommen.

Reflux

Unter Reflux bezeichnet man den (unphysiologischen) Rückfluss von Urin aus der Blase in die Harnleiter bis zu den Nierenbecken und wird in Schweregrade von I bis V eingeteilt und führt auf Dauer zu Infektionen und Schädigung der Nieren.

Das Zurückfließen kann durch eine urodynamische Kontrolle erkannt werden (Video-Urodynamik: eine Untersuchungsmethode, die die Druckverhältnisse der Blase erfasst; ermöglicht die Feststellung des maximalen Blasenvolumens und dadurch den Zeitpunkt des unfreiwilligen Harnverlusts). Mögliche Ursachen für einen Reflux sind ein überhöhter Druck in der Blase.

Haematurie

Eine Haematurie ist Blut im Harn. Mögliche Ursachen dafür sind Harnwegsinfektionen, Katheterverletzungen, Steinleiden, Blutgerinnungsstörungen, Verletzungen, Medikamentennebenwirkungen, Tumorerkrankungen. Suchen Sie beim Auftreten einer Haematurie unverzüglich einen Urologen auf.

Nierenkolik

Symptome einer Nierenkolik sind Übelkeit, Erbrechen, Schweißausbrüche oder Fieber. Mögliche Ursachen sind Abflusshindernisse in Form von Steinen oder einer Verengung im Bereich des Nierenbeckens oder der Harnleiter. Beim Auftreten einer Nierenkolik suchen Sie unverzüglich einen Arzt auf. Vorbeugung: ausreichende Flüssigkeitsaufnahme.

Harnröhrenstriktur

Eine Harnröhrenstriktur ist eine Verengung der Harnröhre infolge von Verletzungen (Trauma), häufig durch transurethrale Dauerkatheter. Beseitigt werden Harnröhrenstrikturen durch einen operativen Eingriff.

Komplikationen beim ISK

Um Komplikationen beim intermittierenden Katheterismus zu vermeiden, ist eine disziplinierte Durchführung des ISK ebenso wichtig, wie eine engmaschige urologische Betreuung. Letztere gliedert sich in allgemeine und spezielle Untersuchungen.

Allgemeine Kontrolluntersuchungen

Bei der allgemeinen Kontrolluntersuchung wird eine Zwischenanamnese seit dem letzten Arztbesuch erstellt. Aussagen über Inkontinenzepisoden oder Harnwegsinfektionen sind von besonderem Interesse.

Untersuchungsintervalle

Allgemein wird empfohlen, folgende Untersuchungen regelmäßig durchführen zu lassen:

  • Harnkontrollen
  • Ultraschalluntersuchung der Harnorgane alle 6 Monate
  • Klinische Untersuchung alle 12 Monate
  • Bei neurologisch bedingten Erkrankungen kann eine spezielle Kontrolluntersuchung (Urodynamik) in Intervallen von 6-12 Monaten erforderlich sein
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